Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein

Fachkräfte aus Europa und der Welt

Am 26. Mai 2019 wird ein neues Europaparlament gewählt. Mit dieser Wahl werden entscheidende Weichen gestellt für die Zukunft Europas. Sieben Jahrzehnte in Frieden und Freiheit, Demokratie und Rechtsstaatlichkeit, gemeinsamer Werte und kultureller Vielfalt sind ein hohes Gut, ebenso wie die damit verbundene beispiellose wirtschaftliche Entwicklung. Gerade unsere Region hat davon in erheblichem Maße profitiert. Das unterstreicht auch Dipl.-Kfm. Christian F. Kocherscheidt, geschäftsführender Gesellschafter der EJOT Holding GmbH & Co. KG in Bad Berleburg, im Gespräch mit Wirtschaft regional online zum Thema Fachkräftesicherung.

Zum Thema „Fachkräftemangel“: Gegenmaßnahmen werden zurzeit viel diskutiert. Gibt es vielleicht eine gemeinsame europäische Lösung?

Kocherscheidt: „Der Fachkräftemangel ist für die Unternehmen in NRW ein sehr wichtiges Thema, das sich weiter verschärfen wird. Der demographische Wandel ist im vollen Gange – Deutschlands Bevölkerung verringert sich und wird zugleich älter. Wenn in einigen Jahren die Baby-Boomer-Generation in Rente geht, stehen wir vor einem noch größeren Problem. Hier müssen wir jetzt klug gegensteuern – am besten sofort.“

Welche Lösungen haben Sie parat?

Kocherscheidt: „Eine einfache, pauschale Lösung gibt es nicht. Man muss aber jetzt konkrete, offensive Strategien entwickeln. Natürlich kann Europa auch einen wichtigen Beitrag leisten, wenn Betriebe vor der eigenen Haustür keine geeigneten Fachkräfte finden. In anderen Teilen Europa herrscht hohe Arbeitslosigkeit. Diese Menschen suchen einen Job, und wir suchen die Arbeitskräfte. Das sollten wir zusammenbringen. Zum Beispiel mit einer EU-weiten Vermittlung von Arbeitsplätzen. Ein anderer Weg ist, in weiteren europäischen Ländern Standorte aufzubauen. Früher hat man darunter vielleicht nur die Lokalisierung von Angeboten oder Kosteneffizienz verstanden. Heute und morgen nimmt die Frage der Verfügbarkeit von Fachkräften eine immer wichtigere Rolle ein. Den Weg der Europäisierung hat unsere Unternehmensgruppe eingeschlagen. Voraussetzung für die europaweite Vermittlung wäre ein Informationsaustausch zwischen den nationalen Behörden und der Abbau  bürokratischer Hindernissen bei der Arbeitnehmer-Freizügigkeit. Das ist aber nur ein Teil der Lösung.“

Was meinen Sie?

Kocherscheidt: „Der europaweite Austausch von Fachkräften ist nur ein Ansatzpunkt. Deutschland sollte auch die qualifizierte Zuwanderung aus Drittstaaten stärken. Deutschland kann seinen wirtschaftlichen Erfolg langfristig nur aufrechterhalten, wenn es als Einwanderungsland attraktiver wird. Auch dafür müssen in Europa gemeinsame Regelungen gefunden werden. Wir brauchen qualifizierte Fachkräfte, wenn wir unsere Stellung auf dem Weltmarkt behaupten wollen. Wir sollten uns da nicht abschotten, sondern die bei uns aufnehmen und integrieren, die uns weiterbringen.“