Arbeitgeberverbände Siegen-Wittgenstein

ARD-Börsenexperte war zu Gast in Siegen

Mit Spannung erwarteten rund 100 interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer den Vortrag des ARD-Börsenexperten, Buchautors und TV-Journalist Markus Gürne zum Thema „Zeitenwende - Europas Rolle in einer veränderten Welt“. Auf Einladung der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein waren sie ins Haus der Siegerländer Wirtschaft nach Siegen gekommen. Dort verfolgten sie die aktuellen, wirtschaftlichen und politischen Vorgänge in Europa und der Welt, die ihnen der ehemalige Auslandskorrespondent mit ungeschöntem Blick näherbrachte.

Im Namen der Unternehmerschaft Siegen-Wittgenstein begrüßte deren Vorsitzender, Dipl.-Kfm. Christian F. Kocherscheidt, neben dem prominenten Referenten die interessierten Zuhörerinnen und Zuhörer und führte in die Problematik des Themas ein. Anhand der Schlagworte Corona-Pandemie, Ukraine-Krieg und Rohstoffkrise zeigte er auf, dass uns in Deutschland – und auch in Europa – immer erst dann bewusst wird, wie abhängig wir von anderen sind, wenn es fast zu spät ist. Daher hätte das Thema des Abends aktuell nicht zutreffender sein können. „Vielleicht war der Druck nach Veränderung selten so hoch wie heute. Daher benötigen wir in Europa – insbesondere aber auch in Deutschland – einen neuen Ansatz. Wir müssen weg von den Abhängigkeiten und hin zu mehr Eigeninitiative und Selbstbestimmung“, sagte Dipl.-Kfm. Christian F. Kocherscheidt. Die Corona-Pandemie und deren Folgen hätten viele Branchen und Unternehmen schon genug belastet und in ihrer wirtschaftlichen Entwicklung zurückgeworfen. Jetzt müssten wir uns ändern und die Zeitenwende in Deutschland und Europa angehen. In dem Sinne leitete Kocherscheidt über zum informativen und kurzweiligen Vortrag von Markus Gürne, in dem dieser die zunehmenden Probleme und Krisen in Europa und der Welt ansprach.

Gleich zu Beginn seiner Ausführungen zeigte der Börsenexperte auf, wie bürokratisch es in Europa zugeht und wie sehr uns die Bürokratie ausbremst. „In der EU gibt es Leuchten und keine Glühbirnen und eine europäische Banane ist nur dann eine Banane, wenn sie einen Krümmungswinkel zwischen 16,8 und 21,57 Grad hat“, sagte Markus Gürne augenzwinkernd. Es sei daher dringend eine Zeitenwende notwendig. Weiterhin sei die Welt zunehmend dynamisch und ungeheuer unsicher geworden. Während in den 70er Jahren Arbeitslosigkeit ein großes Thema war, ist es heute der Fachkräftemangel. Hinzu kämen aktuell Probleme, wie die Rohstoffproblematik durch den Ukraine-Krieg und die hohe Inflation.

Markus Gürne ging u.a. auch auf den Wohlstand von Europa ein, um den uns die Welt beneidet. „Nirgendwo gibt es eine so hohe Kaufkraft wie in Europa“, sagt er. „Wirtschaftliche Kraft in politische Stärke umzusetzen, gelingt in Europa jedoch nicht“, sagte der prominente Gast. „ ,Made in Germany“ ist Premium, bei Industriegütern sind wir gut und bei Technologien hinken wir stark hinterher“, sagt er. Ebenfalls stark ist Europa nach Auffassung Gürnes beim Mittelstand und familiengeführten Unternehmen, was an den vielen „hidden Champions“ deutlich wird.

Markus Gürne ging auch auf den Ukraine-Konflikt ein. In dem Zusammenhang machte er deutlich, in welchem doppelten Dilemma wir in Europa sind. „Wir müssen die Autarkie erhöhen, Abhängigkeiten reduzieren und dabei selbst Kosten in die Hand nehmen“, sagte er. Das sei u.a. durch die Corona-Pandemie und die Ukraine-Krise besonders deutlich geworden. So sei es richtig, dass Deutschland endlich die Verteidigungsausgaben auf mehr als zwei Prozent anheben will. Zudem habe es Putin geschafft, Europa zu stärken und die NATO auszuweiten. In dem Zusammenhang hob der Journalist auch hervor, dass der Ukraine-Konflikt ein Ausdruck wirtschaftspolitischer Veränderungen sei. So würde sich etwa China nicht davor scheuen, die Verknappung der Rohstoffe als Druckmittel gegenüber dem Westen zu verwenden.

Der Ruf nach einem starken Staat ist daher so allgegenwärtig wie noch nie. „Es geht um Interessen. Politische Interessen, wirtschaftliche und soziale Interessen“, sagte Gürne abschließend.

Text und Foto: Julia Förster